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nordClick/sz
vom 06.03.2008 01:00 |
Norddeutsche Meisterschaften im Wushu Sanshou setzten auch
Zeichen gegen Gewalt auf der Straße.
Kaltenkirchen – Martialisch anzusehen waren die
Kämpfe und Showeinlagen, die in der Kaltenkirchener
Marschweghalle bei den Norddeutschen Meisterschaften in der chinesischen
Kampfkunst Wushu Sanshou
geboten wurden. Zum Glück blieb es bei einigen blutigen Nasen in einem
Turnier, mit dem neben dem Sport ein zweiter wichtiger Zweck verfolgt wurde: Wushu Sanshou gilt beim
Landessportverband als eine bestens geeignete Disziplin, um vor allem
Spätaussiedler und Migranten zu integrieren. Wushu Sanshou ist ein
fernöstlicher Kampfsport, der Elemente des Kung-Fu, Karate, Judo, Boxen
sowie Thai- und Kick-Boxen vereint. „Das ist nichts für schwache Nerven“,
stellte Karsten Lübbe vom Landessportverband fest. Der Chefkoordinator des
Projekts „Integration durch Sport“ ist in ganz Schleswig-Holstein unterwegs, um
Gruppen zu unterstützen. Zur Seite stehen ihm dabei Vereine, die sich
bereit erklärt haben, als Stützpunkt zu agieren und den jungen
Menschen, vornehmlich Spätaussiedlerkinder, eine Plattform zu bieten. Im
Kreis Segeberg gehört unter anderem die Kaltenkirchener
TS dazu. Auch Migranten, jüdische Zuwanderer und
so genannte „benachteiligte Einheimische“ gehören zur Zielgruppe.
Siegfried Völker, 2. Vorsitzender der KT, betonte, dass Vorbehalte
gegenüber aus Osteuropa stammenden Jugendlichen gerade durch
Veranstaltungen wie die Wushu Sanshou-Meisterschaft
aus der Welt geräumt werden könnten. „Diese Jugendlichen haben
bislang keine Sportstrukturen unserer Art kennen gelernt. Dazu kommt, dass die
für uns klassischen Sportarten in ihren Herkunftsländern eine absolut
nachgeordnete Rolle spielen. Wir von der KT haben der
offenen Gruppe zunächst Fußball und Tischtennis ermöglicht.
Aber die Resonanz fiel rapide ab. Es ist kulturell bedingt, dass diesen
Mitmenschen Kampfsport einfach näher liegt. Dem tragen wir inzwischen
Rechnung.“
Mit Michael Wolfsohn hat die KT einen hoch qualifizierten Sportlehrer gefunden,
der sich im Auftrag des LSV um „seinen“ Sport und die Aktiven kümmert. Die
Tätigkeit Wolfsohns, dessen Ausbildung nach Weißrussland zurück
reicht und der ein deutschlandweites Netzwerk unterhält, ist seit den
Anfängen des Integrationsprojektes im Jahr 2004 eng mit dem
Landessportverband verknüpft. Wolfsohn spricht die Sprache der
Jugendlichen, kennt ihre Alltagssituationen und –nöte.
Die Frage, warum es sinnvoll ist, Jugendlichen Spätaussiedlern angesichts
der Gewaltdiskussionen in Deutschland ausgerechnet eine solch intensive
Kampfsportart zu bieten, beantwortet Wolfsohn ebenfalls mit dem kulturellen
Aspekt. Außerdem: „Disziplin, Regelbefolgung und gegenseitiger Respekt
sind wichtige Bestandteile der angeleiteten Ausbildung im Verein. Die jungen
Leute erlernen Selbstkontrolle. Sie dürfen ein heißes Herz haben,
sollen dabei aber einen kühlen Kopf bewahren.“ Für blinde Gewalt
findet sich im Wushu Sanshou
kein Platz. „Ich sehe uns auf einer Erfolgsspur. Mit Kampfsport erreichen wir
90 Prozent der betroffenen Jugendlichen“, rechnet Michael Wolfsohn vor. Sein
Team und er bieten umfangreiche Informationen auf ihrer Homepage www.mwolfsohn.de an. Jeden Sonnabend trainiert die Gruppe
der KT in der Sporthalle der Grundschule Flottkamp von 11 bis 13 Uhr. Ein
Mindestalter von 10 Jahren ist einzige Voraussetzung, Materialien zum
Körperschutz sind vorhanden. „Anfänger dürfen bis zu dreimal
kostenlos bei mir trainieren“, verspricht Michael Wolfsohn. Während der SV
Friedrichsgabe mit dem artverwandten Sambo ein
ähnliches Angebot vorhält, finden sich im SV Wahlstedt und beim 1. SC
Norderstedt hinreichend Sportler, die den „weichen“ Sport Volleyball in
Integrationsgruppen praktizieren wollen.
In Bad Segeberg kümmert sich augenblicklich der Kreissportverband um die
Gruppe Atlant-1. Zwar gehen einige der jungen Leute beim MTV Segeberg zur
Fitnessgruppe, eine Plattform für Box- oder Kampfsport findet sich in der
Kreisstadt aber nicht. „Auf Dauer können wir vom KSV das nicht
bewerkstelligen. Wir müssen dringend einen Verein finden, der die Gruppe
aufnimmt“, so Geschäftsführer Dieter Prahl. Der starke Befürworter
des Integrationsprogramms fürchtet, dass sich ohne Vereinsanbindung die
Isolation der Jugendlichen verstärken könnte. „Das fängt mit der
Sprache an: wenn sie nicht in deutschen Vereinsstrukturen agieren können,
sehen sie sich auch nicht gezwungen, Deutsch zu sprechen.“
Sportlich setzten die Bad Segeberger Kampfsportler bei den Nordmeisterschaften
ein dickes Achtungszeichen. Am Ende holte sich Atlant-1 den Sieg in der
Teamwertung. Platz 2 ging an eine Athletengruppe aus Husum, das KT-Team belegte
Platz 3. Die von Kazim Gamidov
trainierten Bad Segeberger konnten vor allem durch Artem
Akopjan punkten, der die Gewichtsklasse 65
Kilogramm/B dominierte. Akopjan wurde von den
Kampfrichtern zu einem der drei besten Kämpfer des Turniers gekürt.
Im Internet finden Sie diese Meldung unter der
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